So heuern Sie einen Auftragsmörder an (How to hire a hitman – German Version)



Wenn der Machtkampf im Büro wirklich außer Kontrolle geraten ist, müssen Sie vielleicht noch einen drauflegen. Passive Aggression ist im Grunde doch einfach nur Aggression. Falls es deshalb der einzige Ausweg oder die einzige Möglichkeit für einen Aufstieg ist, die Konkurrenz um die Ecke zu bringen, so könnten Sie wieder in die ‚härteste Kneipe der Stadt’ gehen, die wir im Abschnitt ‚Wie komme ich an eine Pistole?’ besucht haben, und mit dem Typen plaudern, der sich für einen harten Burschen hält.

Selbstverständlich wird er dem, was Sie zu sagen haben, aufmerksam lauschen, dann wird eines der folgenden drei Dinge passieren:

  • Er wird zusagen, den Auftrag zu übernehmen, und Sie bitten, ihm einen ‚Vorschuss’ zu bezahlen, um das Zielobjekt zu erkunden. Wenn Sie nachfragen, um herauszufinden, wann es passieren wird, wird er einfach sagen: „Welcher Vorschuss?“
  • Sie werden festgenommen, da er in Wirklichkeit ein Polizist ist.
  • Wenn sich die Kneipe in Glasgow befindet, werden Sie Ihre 20 Pfund übergeben und in der Kneipe warten – Ihrem Alibi. Er wird zurückkommen, wenn der Auftrag erledigt ist, und wahrscheinlich noch eine Zigarette von Ihnen schnorren.

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, sich Ihren Weg nach oben freizuschießen, könnten Sie natürlich einen Profi anheuern. Um das zu tun, müssten Sie entweder über Beziehungen zur organisierten Kriminalität oder zu Regierungsabteilungen mit dem Vorwort „Geheim-„ verfügen. Sie nennen ihre Auftragsmörder normalerweise Attentäter; das ist der gleiche Job, nur mit mehr Auslandsreisen und einer Pension.

Wenn Sie sich online umsehen, könnten Sie www.hitman.us ausprobieren, eine amerikanische Firma, die auf „seriöse Auftragsmorde“ spezialisiert ist. Für läppische 50.000 Dollar pro Kopf (entschuldigen Sie das Wortspiel) beinhaltet Ihr Grundvertrag: „einen schlichten Mord, der üblicherweise mit einer schallgedämpften 32-Kaliber-Pistole aus naher Entfernung durch die Verabreichung von zwei Schuss Munition in den Hinterkopf ausgeführt wird. Normalerweise spürt das Zielobjekt dabei nicht einmal etwas. Wir benutzen Glaser-Sicherheitskugeln, die durch Explosion und Zersplitterung im Gehirn für einen garantierten Tod sorgen. Dank der Kleinkaliberpistole ist die Eintrittswunde äußerst klein; manchmal ist die äußere Beschädigung so gering, dass die Eintrittswunde komplett von den Haaren verdeckt und für den Gerichtsmediziner nicht sofort sichtbar ist […]. Normalerweise gibt es keine Austrittswunde. Darüber hinaus benutzen wir nicht zurückverfolgbare Erstbezugs-Waffen.“

Sehr professionell, ich bin mir sicher, dass Sie mir da zustimmen. Qualitätskontrolle ist wichtig, in welchem Beruf Sie auch immer arbeiten. Wenn Sie jedoch dumm genug sind, ihnen einen Scheck zu schicken oder sogar darum bitten, ihrer Organisation beitreten zu dürfen, dann rechnen Sie mit einer sarkastischen E-Mail, oder bestenfalls mit einem Firmen-T-Shirt mit der Aufschrift ‚PERSONAL’.

Es gibt viele Gründe, einen Auftragsmörder anzuheuern; für gewöhnlich geht es darum, seine Karrierechancen zu verbessern oder eine geschäftliche Streitigkeit zu lösen, sein Erbe zu sichern, seine Gemahlin loszuwerden, da man nicht Mann genug ist, sie um die Scheidung zu bitten, oder einfach, um sich selbst von der Qual des lärmenden Hundes von nebenan zu erlösen. Ein richtiger Mord funktioniert in etwa so wie der, der einem Bericht von www.topnews.in zufolge vor kurzem an dem berüchtigten kolumbianischen Kokain-Lord Leonidas Vargas begangen wurde.

Madrid, Januar 2009

Ein Mann, dessen Gesicht teilweise durch Mütze und Schal verdeckt war, betrat Zimmer Nr. 537 eines Krankenhauses in der spanischen Hauptstadt.

„Sind Sie Leonidas Vargas?“, fragte er mit südamerikanischem Akzent einen der zwei Patienten im Zimmer. Der Patient zeigte auf den Mann, der im anderen Bett schlief.

„Drehen Sie sich um und seien Sie still!“, unterwies ihn der Besucher, wandte sich dem anderen Patienten zu und feuerte vier Schüsse aus einer mit Schalldämpfer ausgestatteten Pistole auf ihn ab.

Bis zu dem Zeitpunkt, als die Ärzte und Krankenschwestern in das Zimmer geeilt waren, waren der Mörder und sein mutmaßlicher Komplize, der hinter der Türe Wache gehalten hatte, schon fort.

Zumindest wissen Sie jetzt, dass Sie „nein“ sagen müssen, wenn Sie ein potentieller Auftragsmörder fragt, ob Sie Sie sind.

Ein Möchtegern-Auftragsmörder, ein Herr Essam Eid, ein in Ägypten geborener Pokerspieler, der in Las Vegas lebt, konnte es offensichtlich nicht erwarten, sich seine Hände schmutzig zu machen, und richtete eine Webseite namens hitmanforhire.us unter dem Aliasnamen Tony Luciano ein.

Eine Frau mit dem Kontaktnamen ‚Lügende Augen’ heuerte ihn an, um den Iren P. J. Howard und seine beiden Söhne für 90.000 € zu töten. Es stellte sich heraus, dass ‚Lügende Augen’ Howards Partnerin Sharon Collins war. Laut ‚Irish Times’ sagte Howard am Schluss ihrer Gerichtsverhandlung: „Sharon hat eine sehr positive Lebensauffassung, und sie war sehr liebevoll und schenkte ihre Zeit unseren Verwandten“. Sie war wohl ein wenig zu fürsorglich und schenkte wohl zu viel Zeit. Eid legte Collins aufs Kreuz und verlangte 100.000 € von Howard, um den Mord abzublasen. Vielleicht hätte sie den Typen unten in der Kneipe fragen sollen.

Dennoch gibt es definitiv einen Markt dafür. Durch eine kurze Google-Suche werden Sie noch einige weitere virtuelle Auftragsmörder finden, die ihre Dienste anpreisen.

Alternativ hätte sie es auch selbst machen können, indem sie sich ein Exemplar des umstrittenen Buchs ‚Hit Man: A Technical Manual for Independent Contractors’, ursprünglich 1983 von Paladin Press veröffentlicht, besorgt.

1993 wurde in Montgomery County, Maryland, von James Perry, der das Buch möglicherweise als Vorbild nahm, ein Dreifachmord begangen. Er wurde von Lawrence T. Hort angeheuert, um an die Gewinne aus einem Treuhandfond zu kommen. Der Treuhandfond wurde mit dem Geld finanziert, das seine Exfrau von einem Krankenhaus eingeklagt hatte. Die Familien von Mildred Horn, ihres Sohns Trevor und ihrer Krankenschwester Janice Saunders verklagten dann Paladin Press und gewannen. Seitdem ist das Buch, obwohl es nicht öffentlich verfügbar ist, im Internet veröffentlich worden. Ich werde selbstverständlich einen Link hierzu auf meine Webseite setzen.

Sie könnten sich auch bei Ihren Börsenhändlerfreunden nach „Assassination Markets“ erkundigen. Das sind spekulative Prognosemärkte, wo jeder unter Verwendung von anonymem, elektronischem Geld und pseudonymer Remailer ein Geschäft (eine Wette) auf das zukünftige Todesdatum einer bestimmten Person abgeben kann und eine große Auszahlung erhält, wenn er das Datum exakt ‚errät’.

Jedem Möchtegern-Mörder wird dann ein Anreiz geschaffen, den Mord am richtigen Datum zu begehen um seine Gewinne zu kassieren. Weil die Vergütung einfach die Auszahlung aus einer Wette ist, oder es leer verkaufte Aktien sind, ist es ist bedeutend schwieriger, jemandem die strafrechtliche Verantwortung für den Mord zuzurechnen.

Erstmals wurde 1994 über einen Aufbau nachgedacht und dann hieß es laut www.answers.com: „Die Angelegenheit verließ das Reich der Theorie wohl, als die amerikanischen Aktienbörsen mit Sitz in Manhattan im September 2001 einen 3-Billionen-Dollar-Schlag einstecken mussten. Eine ernsthafte Untersuchung wurde im Herbst 2001 von der US-Börsenaufsichtsbehörde in Gang gesetzt, um zu ermitteln, ob große Aktienpakte der leer verkauften Fluggesellschaftsaktien bis zu Al Qaeda zurückverfolgt werden können, der Gruppierung, die für die terroristischen Anschläge vom 11. September verantwortlich ist; letztendlich wurde bekannt gegeben, dass der Leerverkauf ein Teil einer legitimen Sicherungsstrategie war, die mit Al Qaeda oder anderen extremistischen Gruppierungen in keiner Verbindung steht, die Identität der Nutznießer wurde jedoch nicht offenbart.

Die umfassende Kooperation von fundamentalistischen Terroristengruppen und Hinweise darauf, dass sie tatsächlich Zielpersonen und Zielobjekte in verschiedenen Ländern handelten, ließ die Vorstellung entstehen, dass es gut möglich ist, dass ein verborgener Mord-Swap-Markt schon weltweit in Betrieb ist. Eine Gruppierung könnte an einem Ort eine Handlung durchführen und eine scheinbar unverwandte Gruppierung an einem anderen Ort würde von dieser Handlung profitieren.

Es gibt eindeutig einen Markt für Mordanschläge in vielen verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. Bedauerlicherweise entspricht die Realität überhaupt nicht dem romantischen Bild, das in Filmen wiedergegeben wird. Derzeit hält Russland den Titel für die meisten Auftragsmörder pro Kopf, mit seiner Vorliebe für Giftmorde, Goldketten und geschmacklose Sportkleidung, während die feigen religiösen Männer des Irak 100 Dollar pro Kopf für ‚Ehrenmorde’ bezahlen. Laut dem ‚Guardian’ wurden 2008 allein in Basra 81 Frauen oder Mädchen hingerichtet.

Es gibt da draußen auch noch eine weitere Art von Möchtegern-Auftragsmörder, und zwar eine, vor der Sie auf der Hut sein sollten. 2006 begannen E-Mails aufzutauchen, deren Absender behaupteten, Auftragsmörder zu sein und beauftragt worden zu sein, den Empfänger zu töten. Sie wollten dann Geld dafür fordern, den Auftrag nicht zu übernehmen, genau wie Herr Eid. 2007 wurden die E-Mails ein klein wenig ausgeklügelter, mit Behauptungen, dass sie das FBI in London wären. Bis 2007 wurden 115 Beschwerden beim FBI eingereicht.

In einem Fall antwortete ein Empfänger, dass er in Ruhe gelassen werden wollte, und drohte damit, die Behörden zu verständigen. Der Betrüger, der einen Vorschuss von 20.000 Dollar forderte, schrieb zurück und wiederholte die Drohung, dieses Mal mit einigen persönlichen Details über den Empfänger – die Adresse seiner Arbeitsstelle, seinen Familienstand und den vollständigen Namen seiner Tochter. Dann ein Ultimatum: „SAGEN SIE MIR, OB SIE BEREIT SIND, DAS ZU TUN, WAS ICH SAGTE, ODER WOLLEN SIE, DASS ICH MIT MEINEM AUFTRAG WEITERMACHE? ANTWORTEN SIE MIT JA/NEIN UND STELLEN SIE KEINE FRAGEN!!!“

Bill Shore, ein Sonderermittler, der das Dezernat des FBI für Computerkriminalität in der Außenstelle in Pittsburgh leitet, sagte, dass die Empfänger nicht allzu sehr verängstigt sein sollten, wenn Betrüger persönliche Details ihrer beabsichtigten Opfer in ihre Machenschaften miteinbeziehen.

„Persönliche Informationen sind überall verfügbar“, sagte er. „Sogar wenn jemand nicht das Internet benutzt oder einen eigenen Computer hat, könnte er trotzdem Opfer eines Computerverbrechens wie Identitätsdiebstahl werden.“

Die Grundregel ist, falls man jemals so an Sie herantritt, antworten Sie nicht. Sie sind gewarnt worden.

Übersetzung von Dominik Zander | sanjose1(AT)gmx.net

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